Krankheiten und Parasiten der Flusskrebse

Trotz ihres robusten Aussehens können auch Krebse krank werden. Im Folgenden möchten wir die wichtigsten Krebskrankheiten und Parasiten vorstellen.

Die Krebspest (Aphanomyces astaci SCHIKORA)

Zu den bekanntesten Krebskrankheiten zählt ohne Zweifel die Krebspest. Sie wird durch den Fadenpilz Aphanomyces astaci hervorgerufen. Die Krebspest ist in Europa ca. 1860 im Bereich des Po, Italien aufgetreten. Zu ersten seuchenartigen Erscheinungen kam es einige Jahre später in Frankreich. Im Laufe der letzten 100 Jahre traten dann immer wieder seuchenartige Vorkommen in ganz Europa auf. Die Krankheit führt in der Regel zum Zusammenbruch und der teilweise völligen Auslöschung der Flusskrebsbestände.

Die Kebspest wie wir sie kennen, ist einen importierte Krankheit. Es fällt auf, dass sie nur auf Krebsarten der Südhalbkugel, Ostasiens und Europas solche katastrophalen Auswirkungen hat. Die Krebse Nordamerikas weisen eine Resistenz gegen den Erreger auf.

Bei nordamerikanischen Krebsen, dringt der Pilz nur in die äußere Hautschicht ein. Körpereigene Enzyme und die Einlagerung von Melanin verhindern eine Ausbreitung im Körper. Bei der nächsten Häutung werden die Infektionsherde abgestoßen und der Pilz gelangt wieder in das Wasser, wo er Sporen bildet.
Bei nichtamerikanischen Krebsen kommst es zwar auch zur Bildung von Melanin an der Befallsstelle, aber es kommt zu keiner Einkapselung. Der Pilz breitet sich schnell im Körper aus (besonders Muskulatur). Nach dem Tod des Wirtes kommt es zur Freisetzung der Sporen.
Die Sporen des Pilzes sind übrigens frei bewegliche Zoosporen. Sie sind relativ kurzlebig, können aber durch Zystenbildung länger überdauern.

Folgende Symptome sind typisch für die Krebspest:

häufiges Kratzen mit den Schreitbeinen
Lähmungserscheinungen und verringerte Aktivität bei Störungen
Einklappen des Abdomens
Verlust von Gliedmaßen
seitliches Umkippen

Der Tod tritt meist innerhalb von 6-7 Tagen ein. Wassertemperaturen über 20 Grad beschleunigen den Verlauf.

Leider gibt es keine Möglichkeit zur Behandlung der Krebspest. Es kann aber durch bestimmte Verhaltensregeln eine Infektion und Ausbreitung verhindern werden.

Hauptursache eines Ausbruches der Krankheit ist der Kontakt mit anderen infizierten Krebsen. Es sollten niemals Krebsarten aus Europa, Asien und der Südhalbkugel (z.B. Australien) mit amerikanischen Krebsen zusammen gehalten werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Krebse Träger der Krankheit sind, ist sehr hoch.
Niemals Wasser aus Amerikabecken in Becken mit nichtamerikanischen Krebsen übertragen!
Das gilt für Pflanzen und Einrichtungsgegenstände und jegliches Arbeitsgerät. Diese sind vor der Übertragung zu reinigen und ggf. zu desinfizieren (z.B. mit Kaliumpermanganat). Eine Übertragung kann auch durch gemeinsam verwendete Fangnetze, Wasserwechsel- und Reinigungsutensilien erfolgen. Nach Hantieren in „verseuchten“ Becken Händewaschen nicht vergessen!
Niemals biotopfremde Krebse bei uns in die Freiheit entlassen. Dieses kann sehr [weg damit] katastrophale Auswirkungen auf einheimische Bestände haben. Das gilt übrigens auch für den heimischen Gartenteich. Besonders Procambarusarten können eine nicht zu unterschätzende Strecke über Land wandern und so in heimische Gewässer gelangen.

Die Porzellankrankheit (Thelohania contejani)

Diese Krankheit wird durch den Microsporiden Thelohania contejani hervorgerufen. Er befällt die Muskelpartien des Abdomens und der Extremitäten. Die Symptome sind eine auffällige Verhaltensstörung und ein porzellanartiger, durchscheinender Schwanzmuskel. Die Krankheit ist leider ebenfalls unheilbar und führt immer zum Tod. Die Verbreitung erfolgt durch das Fressen eines verstorbenen Tieres. Man sollte also befallene Tiere sofort entfernen und vernichten.

Weißfleckenkrankheit (White Spot Syndrome Virus)

Das Virus kann jeden Dekapoden befallen. Diese neuere Erkrankung (ab 1990) tauchte erstmals in Garnelenzuchtanlagen Asiens auf, ist aber mittlerweile weltweit verbreitet.
Der Krankheitsverlauf, bei dem die Tiere weiße Flecken auf dem Körper bekommen ist tödlich. Eine wirksame Medikamentation ist nicht bekannt.
In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, niemals ungekochte Garnelen an Krebse zu verfüttern; dies gilt auch für Tiefkühlgarnelen.

Die Rost- oder Brandfleckenkrankheit

Diese Krankheit wird durch zwei verschiedene Fadenpilze (Ramularia astaci bei Astacidae und Didimaria cambari bei Cambaridae) verursacht. Symptome sind braune oder schwarze Flecken, die auf dem Panzer oder den Extremitäten erscheinen. Meist geht die Infektion von einer Verletzung des Panzers aus. Der Krankheit lässt sich sehr [weg mit sehr] gut mit gerbsäuehaltigem Falllaub Buch oder Erle oder Erlenzäpfchen bekämpfen (nur im frühsten Anfangsstadium).

Unbekannte Krankheit bei Cambarellus patzguarense spec. „Orange“

Seit ca. zwei Jahren wird bei den Cpo eine rätselhafte Erkrankung mit bislang tödlichem Verlauf beobachtet. Von der Krankheit sind überwiegen adulte Tiere betroffen, wobei ganze Zuchtstämme nach und nach befallen und vernichtet werden. Jungtiere sind offensichtlich nicht so anfällig.
Ohne erkennbaren Grund verharren agile Tiere mitten in der Bewegung und verfallen in eine Starre, wobei sie auch zur Seite kippen können. Die Körperstarre kann mehrere Stunden andauern. Plötzlich setzen die Tiere ihre Bewegungen wieder fort als sei nichts gewesen.
Bei völlig unauffälligem weiterem Verhalten einschließlich Nahrungsaufnahme, verenden die Tiere dann nach einigen Stunden bis mehreren Tagen.
Am äußeren Erscheinungsbild der Tiere ändert sich nichts. In jüngerer Zeit (Jan. 2005) wurde in diesem Zusammenhang bei einem verendeten Tier eine Weißfärbung eines Organs, vermutlich der Magen oder das Gehirn, beobachtet.
Die Erkrankung trat bislang (bis auf einen mitgeteilten Fall) nicht im Zusammenhang mit der Häutungsphase auf.
Mögliche Ursachen könnten Innzucht oder/und dauerhaft zu hohe Haltungstemperaturen sein, die zudem die Vermehrung von möglichen krankheitsauslösenden Pilzen, Bakterien oder Viren begünstigen. Ein Zusammenhang mit der o.a. Krebspest kann bislang nicht ausgeschlossen werden!
Denkbare Abhilfen:
- Senkung der Haltungstemperatur auf 19 bis 21 ° C (die Nominatform stammt aus den Hochanden, 2000 m üNN!)
- vermehrte Sauerstoffzugabe
- sofortiger Wasserwechsel (bei Auftreten des Krankheitsbildes) und Verkürzung der Wasserwechselinterwalle, Zugabe von Eichenlaub, Erlenzapfen oder Seemandelbaumblätter
- befallene Tiere sofort separieren, tote Tiere sofort entfernen

Krebsegel (Branchiobdellida)

Krebsegel sind zwar keine Krankheit im wörtlichen Sinne, können aber lästig werden. Meistens handelt es sich um 1-12 mm lange gelbliche Würmer, die sich bevorzugt an den Scheren, Gelenkhäuten, Augen und der Körperunterseite der Krebse aufhalten. Normalerweise werden sie mit der nächsten Häutung abgestreift. Sie leben meistens von Aufwuchs und anderen Partikel am Krebs. Nur eine Art, die in der Kiemenhöhle lebt, kann durch Behinderung der Atmung gefährlich werden.
Im vergleichsweise engem Aquarium besteht jedoch die Möglichkeit, dass sich die Egel durch verstärktes Auftreten lästig werden können.
Hier empfiehlt sich eine 1,5 % ige Kochsalzlösung zur Behandlung.

Temnocephala (Ectoparasit)

Zwei weitere Parasiten (Temnocephala iheringi und T. haswelli) spielen im Zusammenhang mit Krebsen eine Rolle. Diese ca. 5-10 mm großen Parasiten mit fünf Tentakeln ähneln Polypen und besiedeln überwiegend die Haupscheren um sich von Nahrungsabfällen der Krebse zu ernähren.

Häutungsprobleme

In der Regel gibt es bei Flusskrebsen kaum Probleme beim Häutungsablauf. Es ist aber möglich, dass durch ungünstige Bedingungen, wie z.B. Krankheiten und Sauerstoffmangel die Häutung gestört werden kann.
Maßnamen bei verzögerter Häutung sind
Erhöhung des Sauerstoffgehaltes
teilweiser Wasserwechsel.
Ein manuelles Pellen des Krebses kann versucht werden ist aber meist nicht beschädigungsfrei.

 

©2005 Interessengemeinschaft für Süßwasserkrebse